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Erfahre in diesem Artikel mehr über den Stellenwert von Wildbienen, warum Trugschlüsse dazu weitverbreitet sind und wie Du deinen Garten bienefreundlicher machst. Wir danken Laura von Permakultur im KG die mit diesem spannenden Beitrag einmal mehr zeigt, wie wichtig das Thema ist und was jeder mit wenig Aufwand tun kann.

Der bienenfreundliche Garten.

Die Biene ist derzeit in aller Munde. Supermarktketten bieten Insektenhotels in allen Größen und Formen zum Verkauf an. Stauden im Handel weisen mit kleinen Bienenaufdrucken auf ihre Bienenfreundlichkeit hin. Das Interesse an Imkerkursen in den Großstädten explodiert geradezu. Die Bereitschaft und das Interesse zu helfen sind groß. Kein Wunder, denn der Schwund der Bienen hat sich herumgesprochen und es wird geschätzt, dass der Mensch nach dem Aussterben der Biene nur noch vier Jahre zu leben hat. 

Doch nicht alle gut gemeinten Bemühungen sind auch wirklich hilfreich, im schlimmsten Fall können diese sogar schädlich sein. Dabei ist eine bienenfreundliche Gartengestaltung nicht schwierig und kann – je nach Typ – auf unterschiedlichen Wegen gelingen. Wie sieht also ein wirklich bienenfreundlicher Garten aus?

Borretsch Bienenfreundlich

Die bedrohte Biene – Fakten, Fakten, Fakten.

Dazu müssen wir uns erstmal der trockenen Theorie widmen: Welche Bienen sind überhaupt vom Aussterben bedroht? Ich selbst habe früher beim Stichwort „Biene“ immer automatisch an die Honigbiene gedacht. Sie lebt in Staaten, sammelt Honig und jeder kennt sie. Dass es in Europa ca. 700 Bienenarten und weltweit sogar ca. 20.000 Bienenarten gibt, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Doch bedroht sind eben diese unbekannten Verwandten der Honigbiene: Die sogenannten Wildbienenarten. Die Honigbiene ist dagegen nicht bedroht – auch wenn natürlich die Honigbienenvölker ebenso wie der Rest an Flora und Fauna unter Monokulturlandschaften und dem Pestizideinsatz erheblich leidet. Die Honigbiene wird aber jedenfalls solange nicht aussterben, wie es fürsorgliche Imker gibt.

Über 60% der  Wildbienenarten vom Aussterben bedroht.

Ganz anders sieht es bei den Wildbienenarten aus. Über 60% der in Deutschland einheimischen Wildbienenarten sind Schätzungen zufolge vom Aussterben bedroht. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Anders als die Honigbiene leben die allermeisten Wildbienenarten solitär und können Bienenverluste nicht kompensieren. Hinzukommt, dass die meisten Wildbienenarten – anders als die Honigbiene – hochspezialisiert sind, sowohl was ihre Nahrung als auch ihre Anforderungen an den Standort angeht. Lebensraum und Nahrungsverluste können daher nicht oder nur sehr schlecht kompensiert werden.

Wildbienen können nicht einfach ersetzt werden.

Dass wir auch nicht die Wildbienen einfach durch immer mehr Honigbienen ersetzen können und so das natürliche Gleichgewicht immer mehr stören, sollte auf der Hand liegen. Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es die Wildbienen – und nicht die Honigbienen – sind, die zuverlässig für die Bestäubung unserer Gartenpflanzen sorgen. Sie sind hocheffizient und ihre Bestäubungsleistung übersteigt die Bestäubungsleistung der Honigbiene um ein Vielfaches: So erbringen 100 gehörnte Mauerbienen dieselbe Bestäubungsleistung wie mehrere Tausend Honigbienen. Schwierig zu bestäubende Blüten, etwa die der Tomatenpflanze, werden häufig von den Honigbienen gar nicht erst angeflogen. Gleiches gilt für Blüten, die besonders lange Rüssel zur Bestäubung benötigen. Auch sind die Honigbienen erst ab ca. 12°C unterwegs, während manche Wildbienen, z.B. die Hummeln, schon bei 4°c losschwirren können. Auch die Keimquote der bestäubten Pflanzen ist bei Wildbienen höher.

Borretsch Bienenfreundlicher Garten

Bienenfreundlicher Garten statt Imkerkurs?

Damit ist festzuhalten, dass das Belegen von Imkereikursen und die Anschaffung von Honigbienenvölkern leider nicht hilfreich ist. Im schlimmsten Fall kann eine zu hohe Dichte an Völkern der Honigbienen-Generalisten sogar schädlich sein, da sie den Wildbienen-Spezialisten die Nahrung streitig machen können, insbesondere in Zeiten der Knappheit. Dies bedeutet nicht, dass das Imkern aus Naturschutzgründen verwerflich ist. Sehr wohl aber gilt es hier, das richtige Maß zu finden. Im Berliner Hipsterbezirk Prenzlauer Berg kommen derzeit 23 Bienenvölker auf einen Quadratkilometer – das ist schlicht zu viel.

 

Bienenfreundlicher Garten Do’s & Dont‘s.

Da es also um den Schutz der Wildbienen geht, sollten im Garten die Eigenschaften der Wildbiene in den Blick genommen und die Maßnahmen danach ausgerichtet werden. Im Wesentlichen sollte ein bienenfreundlicher Garten ein passendes Nahrungsangebot ebenso enthalten, wie geeigneten Lebensraum.

Das Nahrungsangebot macht den Garten bienenfreundlich.

Zunächst zum Nahrungsangebot. Auch hier gilt, dass bienenfreundlich nicht unbedingt immer dasselbe sein muss, wie wildbienenfreundlich. Die spezialisierten einheimischen Wildbienenarten benötigen dringend einheimische Wildblumen im Nahrungsangebot. Manche Wildbienen sind sogar auf eine einzige Wildblumenart angewiesen. So etwa die Natternkopf-Mauerbiene, welche – wie der Name schon verrät – ausschließlich den Natternkopf anfliegt.

Es bietet sich also zunächst die Anlage eines Wildblumenstreifens an. Es sollte hier nicht unbedingt zur Discounter-Mischung mit bienenfreundlichem Aufdruck gegriffen, sondern nach wildbienenspezifischen Mischungen geschaut werden. Hierzu zählen etwa die Syringa-Mischungen  mit ein-, zwei- und mehrjährigen Arten. Dort lässt sich genau nachvollziehen, welche Arten in der Samenmischung enthalten sind und für welche Wildbienenarten diese eine Nahrungsquelle darstellen, z.B. die Acker-Hundskamille, welche für mehrere Arten der Maskenbienen, Furchenbienen, Schmalbienen, Seidenbienen, Löcherbienen und Mauerbienen gut ist. Auch die Saatgutmischungen von Rieger-Hofmann sind sehr artenreich und überzeugen durch regionale Mischungen. Diese werden daher auch von den Naturpaten bei ihren Blühstreifen verwendet.

Klassiker für den bienenfreundlichen Garten.

Natürlich kann man sich auch die Mühe machen und seine Saatgutmischung selbst zusammenstellen. In keinem bienenfreundlichen Naturgarten fehlen sollten etwa Borretsch, Natternkopf, Gelber Steinklee, Weißer Steinklee, Ackersenf, Wegwarte, Wiesensalbei, Wiesenflockenblume, Skabiosen-Flockenblume und die Wilde Malve. Generell gilt: Je artenreicher und regionaler, desto besser.

Hecken, Sträucher und Gehölze : der feine Unterschied im Garten.

Neben den Wildblumenwiesen können auch Hecken, Sträucher und Gehölze wertvolle Nahrungsquellen für Bienen und andere wichtige Nützlinge bieten – oder eben auch nicht. So hat etwa die in einem Großteil der Deutschen Gärten anzutreffende Thuja-Hecke keinerlei ökologischen Nutzen und versauert zudem die Böden, weswegen sie auch kaum kompostierbar ist. Ebenfalls völlig unberechtigter Beliebtheit erfreut sich der Kirschlorbeer, welcher ebenfalls keinen ökologischen Nutzen hat. Auch die allseits beliebte Forsythie leuchtet zwar schön gelb, es handelt sich jedoch um eine echte Mogelpackung: Die einladenden Blüten enthalten keinerlei Nektar. Und trotz ihrer Verbreitung in unseren Breitengraden handelt es sich auch nicht um eine heimische Art.

Heimische Arten machen den Garten bienenfreudlich.

Dagegen sind heimische Arten, wie der Weißdorn, die Schlehe, der Faulbaum, Kreuzdorn, Salweide, Reifweide, Haselstrauch und Lorbeerweide sehr insekten- und wildbienenfreundlich. Gleiches gilt für die Heckenrose, die Brombeere, den Wildapfel und den Schwarzen Holunder. Da viele dieser Arten gleichzeitig dem Menschen einen Ernteertrag liefern, liegt hier wiederum eine echte Win-Win-Situation vor. Weniger gut sind dagegen Hartriegel, Kornelkirsche und Liguster. Jedoch sind diese immerhin ökologischer und bienenfreundlicher als die Thuja-Hecke und der Kirschlorbeer.

Die Streuobstwiese als idealer Nachbar.

Nicht fehlen darf in einem bienen- und insektenfreundlichen Garten daneben eine Streuobstwiese mit einheimischem Obst, wie Apfel- und Pflaumenbäumen. Wer richtig Platz hat, kann auch Eichen, Pappeln, Birken und Hainbuchen pflanzen. Die Eiche ist ökologischer Spitzenreiter, da sie Lebensraum für weit über 1.000 Arten bietet.

Bienenfreundlich für Faule: heimische Unkräuter im Garten.

Ohwei – so ein bienenfreundlicher Garten ist ja ganz schön viel Arbeit.. Wer an dieser Stelle langsam aussteigt, da die Informationen und Anforderungen langsam den Bereich des Machbaren übersteigen, kann sich getrost zurücklehnen: Auch wer rein gar nichts tut, kann bereits einen ganz erheblichen Beitrag zum Wildbienen- und Artenschutz leisten. Hierfür einfach einheimische „Unkräuter“ (besser: Beikräuter), wie Löwenzahn oder die Taubnesseln stehen lassen, jedenfalls an Orten, an denen sie im Garten die Kulturen nicht stören. 

Weniger Mähen macht den Garten bienenfreundlich.

Der Löwenzahn ist ein echter Pollen- und Nektarchampion und wird von Wildbienen sehr geschätzt. Außerdem sollte der Rasen nur selten gemäht werden und das Mähen für 4-6 Wochen im Frühjahr ganz unterbleiben. Dann entsteht eine Blumenwiese aus Löwenzahn, Klee, Butterblümchen und mehr – ein reichhaltiges Buffet für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln. 

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, aber wer seinen Rasen weniger mäht, kann bis zu zehn Mal mehr Bienen zu Besuch bekommen! Der hierzulande beliebte Englische Rasen ist dagegen für die Bio-Diversität leider eine kleine Katastrophe. Wer im Übrigen wegen kritischer Nachbarn oder ähnlichem davor zurückschreckt, den gesamten Rasen vier Wochen nicht zu mähen, kann auch einfach einen Teil des Rasens stehen lassen. Dies mögen besonders Schmetterlinge.

Lebensraum: wenn Bienenhotel, dann selber machen.

Auch in punkto Lebensraum lassen sich viele Fehlinformationen ausmachen. Des Öfteren wird hier zu den im Handel angebotenen Bienenhotels gegriffen, in der Hoffnung, den Bienen damit etwas Gutes zu tun. Leider handelt es sich hierbei wiederum hauptsächlich um Marketing und Greenwashing. Nur selten lässt sich durch Konsum wirklich sinnvoller Naturschutz betreiben. Wesentlich mehr bringt hier wiederum selber machen oder – ja tatsächlich – gar nichts machen.

nach dem Anlegen: die Blühwiese wächst langsam

Insektenhotels als Ergänzung im bienenfreundlichen Garten?

Warum beim Kauf jedenfalls aufgepasst werden sollte: Die gekauften Bienenhotels beachten die Bedürfnisse der Wildbienen häufig nur unzureichend. Die Löcher sind oft zu groß für die zumeist sehr kleinen Wildbienenarten. Ein weiterer typischer Fehler sind Bohrungen parallel zur Holzfaser. Hier kann das Holz leicht splittern, wodurch die Brut verletzt werden könnte. 

Andere typische Füllmaterialien, wie Tannenzapfen, haben überhaupt keinen Nutzen für die Bienen. Weshalb diese in schöner Regelmäßigkeit in Insektenhotels auftauchen, bleibt das Geheimnis der Hersteller. Im Übrigen sollten die Insektenhotels ohnehin lediglich eine Ergänzung in einem bienenfreundlichen Garten sein, da 75% der Wildbienenarten im Boden nisten.

Biene in Blühwiese auf Skabiose

Sinnvolle Gartengestaltungen schafft Lebensräume für Wildbienen.

Sinnvolle Gartengestaltungen, welche Lebensraum für Wildbienen schaffen können, sind die typischen Naturgartenelemente, wie Totholzhecken und Trockensteinmauern, welche zahlreichen Insekten in ihren Ritzen Brut- und Nistplätze bieten können. Eine weitere Idee für den schaffenden Gärtner sind sogenannte Sandarien. Hier wird an die große Mehrheit der Wildbienen gedacht, die im Boden nisten. Der klangvolle Name beschreibt im Grunde nur eine ausgewiesene Fläche im Garten, die aus Sand besteht. Die Grundfläche sollte dabei wenigstens 50x50cm betragen und der Sand sollte eher fest und nicht zu fein (mittlere Körnung) sein, damit die Niströhren nicht abbrechen. Für noch mehr Stabilität kann man den Sand auch mit Lehm mischen.

Unaufgeräumte Ecken im Garten sind sehr bienenfreundlich.

Wer nicht zu den schaffenden Gärtnern zählt und wem die pikierten Blicke der Nachbarn nichts ausmachen, der kann ähnliche Effekt wiederum durch Nichtstun erreichen: Unaufgeräumte und verkramte Ecken im Garten sind ebenso nützlich, wie geordnet angelegte Totholzhecken. Auch ein dürftiger, ungepflegter Rasen mit vielen kahlen Stellen ermöglicht das Platzieren von Niströhren. Es gilt also auch insofern, dass weniger manchmal mehr sein kann.

Das Fazit zum bienenfreundlichen Garten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein bienen- und insektenfreundlicher Garten ebenso gut mit wenig, wie auch mit viel Aufwand und Wissen angelegt werden kann. Dabei ist es keineswegs verwerflich, hier der Natur einfach ein Stück weit zu vertrauen und sich selbst zu überlassen. Wem dieser Kontrollverlust zu weit geht, für den gibt es viele gestalterische Möglichkeiten, welche einen wertvollen Beitrag zum Bienen- und Artenschutz leisten können.
Tipps zum Anlegen der Blühwiese

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